Wo gebären?

Wo wollen wir unser Baby bekommen?

Ich werde immer wieder gefragt, wo man denn gut während der Geburt betreut wird. Dies ist finde ich eine Frage, die gut ist, aber auf die ich keine einfache Antwort finde.

Jede Frau und ihre Schwangerschaft ist anders, jedes Kind ist einzigartig. Die Vorlieben und Dinge, die sich die kleine Familie vorstellt, sind immer auch von ihren Lebenserfahrungen, Einstellungen, Vorlieben und Characteren geprägt.

Da hilft es nur, in sich zu gehen, und zu horchen, was einem das eigene Herz sagt. Besprecht, wie eure GeburtsWÜNSCHE aussehen – aber seid euch bewusst, dass es keine GeburtsPLÄNE geben kann – denn wie auch im restlichen Leben trifft häufig der Spruch zu „erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“.

Lest über verschiedene Geburtsstile, die Anwendung finden. Welcher sagt euch am besten zu, gibt euch Vertrauen, dass mit euch und eurem Baby gut umgegangen wird?

In einer Zeit, wo Geburtshilfe immer mehr zentralisiert wird, kann es u.U. schwierig sein, seine Geburtswünsche umzusetzen, vor allem, wenn man sich eine individuelle, massgeschneiderte Geburt wünscht.  Nach eurer eigenen Meinungsfindung, schaut euch an, welche Möglichkeiten ihr habt. Dann gilt es abzuwägen, und zu erfragen, inwiefern die Geburtsstätten offen sind, abweichenden Wünschen der Eltern entgegen zu kommen – und wieviel Erfahrung sie mir diesen Abweichungen denn hätten.

Da ihr meistens nicht wissen könnt, wer tatsächlich zu eurer Geburt kommen wird, rate ich euch allerdings: fragt nach Zahlen und Fakten. Sie drücken den allgemeinen Kurs eines Geburtsortes besser aus als eine Einzelperson, mit der ihr den Ort kennenlernt, die aber höchstwahrscheinlich bei eurer Geburt nirgends zu sehen sein wird.

Fragen, die ihr euch und den Orten stellen könnt (schickt mir eure Kommentare, ich werde diese Frageliste immer wieder überarbeiten):

  • Am allerwichtigsten: hat Mama das Gefühl, an diesem Ort wirklich loslassen zu können? Stört sie vielleicht die Atmosphäre, der Geruch, die Stimmung? Oder scheint alles schlüssig und „fast wie zu Hause“? Das ist eine Grundvoraussetzung zum Gebären. Wenn ihr euch nicht wohl fühlt: weitersuchen! Angst, grelles Licht, Lärm, Kälte, Unruhe hemmen die gute Ausschüttung der Geburtshormone!
  • Zu Hause sind diese o.g. negativen Faktoren meist kein Problem. Deshalb kommt es wohl bei Hausgeburten zu weniger Komplikationen für Mütter deren Schwangerschaften ein niedriges Risiko haben als Krankenhausgeburten – das belegt eine jüngere Studie (de Jonge et al, 2013). Das Risiko für das Kind, besagt eine große Cohort-Studie, ist nicht größer, sogar etwas kleiner (de Jonge et al 2014). Die Autoren schränken ihre Befunde ein, dass dieses Resultat evtl nur dann gilt, wenn Hausgeburten gut ins Gesundheitssystem intergiert sind – ich nehme an, dass bedeutet, dass man schnell Hilfe bekommt, wenn man sie braucht, aber auch klare Richtlinien, wann Hilfe dazugezogen werden sollte (was z.B. in Amerika nicht immer der Fall ist – „home birth midwives in the US identify many barriers to accessing hospital care for their home birth clients“ (Zielinski et al, 2015))Aber eine Hausgeburt muss für einen stimmig sein. Häufig kann man für sich abklären, ob eine Hausgeburt für einen eine Option ist, wenn man Kontakt zu den Hausgeburtshebammen herstellt, und mit ihnen seinen eigenen Fall bespricht. Ihr fühlt euch gut aufgehoben? Fantastisch!
  • Wollt ihr eine Wassergeburt? Wasser ist wirklich gut für die Geburt geeignet, und ist eine offizielle HypnoBirthing Empfehlung. Es lohnt sich, bei klarer Vorliebe für eine Wassergeburt, nach einem Geburtsort zu suchen, der einem die Wassergeburt wahrscheinlich ermöglichen kann.
  • Wollt ihr eher, dass jemand die ganze Zeit bei euch ist oder nicht? Wie viele Hebammen sind für wie viele Geburten zuständig? Ist mit diesem Personalschlüssel solch eine Betreuung möglich?
  • Wann wird die Belegschaft gewechstelt? Bleibt „eure“ Hebamme auch stundenlang länger da, wenn ihr nahe an der Geburt seid oder nicht?
  • Bei wievielen Geburten kommt es zu einem ununterbrochenen Einsatzes des CTGs – also nicht nur ab und zu mal, sondern durchgehendes Messen? Dazu ist anzumerken, dass die kontinuierliche Überwachung durch ein CTG nicht gezeigt hat, das Ergebnis für Mama und Baby zu verbessern (das ab und zu mal aber schon), aber ganz klar die Kaiserschnittrate nach oben zu treiben (Alfirevicet al, 2017)! Wenn es denn sein muss: gibt es mobile CTG-Schreiber, mit denen man sich dennoch frei bewegen kann?
  • Wie sind die Regeln zum Abnabeln und Gebären der Plazenta? Wenn ihr gerne hättet, dass euer Baby sein eigenes Blut erhält und nach der Geburt durch die Plazenta beim Atmen unterstützt wird bis es sich ans eigene selbständige und selbstverantwortliche Atmen gewöhnt hat, ist es besser, zu einer Geburtsstätte zu gehen, die dies routinemässig, oder zumindest ohne größere Bedenken annimmt.
  • Wie häufig werden Babys tatsächlich bei den Eltern gelassen für die „goldene Stunde nach der Geburt“, und wie häufig oder aus welchen Gründen werden Kinder schneller von ihren Eltern getrennt? Da kann es große Unterschiede geben. Mein Kind wurde mir schnell weggenommen, nur weil sie 4 Wochen vor „Geburtstermin“ auf die Welt gekommen ist – obwohl es ihr ansonsten sehr gut ging. Routineuntersuchungen, wie es einem Baby geht, kann man auch machen, während das Baby in Mutter’s Armen liegt. Das Vermessen kann warten.
  • Wie sehr wird das Stillen unterstützt? Wenn eines der oberen Ziele das Stillen ist, wird man das meistens erreichen. Wenn nicht, kann es für die Mutter schwierig werden, falls es zu speziellen Umständen kommen sollte. Ein Anzeichen dafür kann die Zertifizierung als Babyfreundliche Klinik (http://www.babyfreundlich.org/ ) geben
  • Wird das „Rooming In“ praktiziert? Beim Rooming In bleibt das Baby immer gleich beim Bett der Mutter.
  • Wollt ihr gleich nach der Geburt heim? Wie einfach ist dies in der Klinik? Fragt auch da nach Zahlen. Ihr wollt lieber ein paar Tage in der Klinik bleiben? Wie sieht es damit aus?
  • Fragt auch IMMER nach Routinemassnahmen, wenn es anders kommen sollte als ihr es euch wünscht! Wieviel Zeit wird Gebärenden gegeben, bis über Eingriffe in die Geburt diskutiert wird (Einleitung, Augmentation, etc)?
  • Wie hoch sind Raten von Eingriffe (Augmentation, Einleitung, Dammschnitt, Geburtszange, Saugglocke, das Gebären in Rückenlage (da wird häufig Hand angelegt)).

Interessierst Du Dich für eine Hausgeburt? Schau Dir doch mal den Trailer an, der in diesem Blogeintrag verlinkt ist:

Die sichere Geburt vs Krankenhausgeburt

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Quellen:

de Jonge, Ank, et al. „Severe adverse maternal outcomes among low risk women with planned home versus hospital births in the Netherlands: nationwide cohort study.“ Bmj 346 (2013): f3263.

Zielinski, Ruth, Kelly Ackerson, and Lisa Kane Low. „Planned home birth: benefits, risks, and opportunities.“ International journal of women’s health 7 (2015): 361.

De Jonge, A., et al. „Perinatal mortality and morbidity up to 28 days after birth among 743 070 low-risk planned home and hospital births: a cohort study based on three merged national perinatal databases.“ BJOG 122.5 (2015): 720-728.

Weitere Quellen zu Heimgeburten:

Halfdansdottir, Berglind, et al. „Outcome of Planned Home and Hospital Births among Low‐Risk Women in Iceland in 2005–2009: A Retrospective Cohort Study.“ Birth 42.1 (2015): 16-26.

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