Stress in der Schwangerschaft

Stress ist nicht gesund. Das weiß heute wohl jeder. Was vielleicht noch nicht bekannt sein könnte, ist, dass Stress in der Schwangerschaft sich ein Leben lang auf das ungeborene Kind auswirken kann, fanden Studien. Hier reden wir natürlich nicht um den kurzen, banalen Stress wie „ich bin spät für den nächsten Bus“. In den Studien zu Stress werden normalerweise Mütter benutzt, die eine klinisch Diagnose von Depression haben, oder ähnlich starke und lang anhaltende Sorgen.

Die Folgen von Stress in der Schwangerschaft für das Baby, die Studien gemessen haben, sind vielfältig. Sie gehen von Keuchen, zu Asthma, über allergische Rhinitis und atopische Ekzeme, bis hin zu Depressionskrankheiten (de Marco et al, 2012), geringere Intelligenz, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, und sogar evtl. Autismus (Beversdorf et al, 2005, Sjaarda et al, 2017).

Stress erhöht die Wahrscheinlichkeit ein jeder der möglichen Symptome und Krankheiten um zwischen 41% und 75% relativ (also OR von 1,41 für Keuchen, bis hin zu allergische Rhinitis mit OR 1,75) – eine große Metaanalyse aus 2016 (van de Loo et al, 2016) fand eine odds ratio von 1.56 für Keuchen, Asthma und andere respiratorische Symptome zusammengefasst.

Zu nächsten drei (Depressionskrankheiten, geringere Intelligenz, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten) kann man es etwa so zusammenfassen: die Stresshormone wie Cortisol gehen auch über die Plazenta, und verändern, wie das Gehirn des Babys gebaut wird. Das macht evolutionstechnisch durchaus Sinn. Wenn das (Über-)Leben so schwierig ist, dass die Mutter lange Zeit gestresst ist, dann ist es von Vorteil, wenn das Kind eher reaktiv durch die Welt geht, statt zuerst lange nachzudenken. Auch die Rezeptoren für das Sozialhormon Oxytocin können langfristig beeinträchtigt sein, was selbstverständlich ebenfalls dazu beiträgt, dass sie ein erhöhtes Risiko von Depressionen haben.

Außerdem hatten die Kinder, die Stresshormonen während der Schwangerschaft ausgesetzt sind,  im Durchschnitt einen um zehn Prozent geringeren Intelligenzquotienten, Probleme mit der Konzentration und Aufmerksamkeit.

Bekommen Ungeborene zu viele Stresshormone ab, „betrachtet“ der Körper den erhöhten Pegel als normal, und werden quasi bereits im Mutterleib darauf programmiert, mehr Stresshormone auszuschütten.

Forscher von der niederländischen Universität Tilburg konnten nachweisen, dass mütterlicher Stress vor allem zwischen der 12. und 22. Schwangerschaftswoche die emotionale und kognitive Entwicklung des Fötus ungünstig beeinflusst und diese Effekte noch 20 Jahre später erkennbar sind.“

Und es scheint außerdem so zu sein, dass ein gesundes Bonding dazu beiträgt, dass die Effekte von zu viel Stress vor der Geburt abgemildert werden (Bergman et al, 2010).

Also: auch aus diesen Gründen scheint es durchaus positiv zu sein, sich jeden Tag ein wenig Zeit zu nehmen, um einfach zu entspannen, und einfach positiv zu denken! All dies wird in meinem Geburtsvorbereitungskurs gelehrt 🙂 !

Dieser Artikel wäre nicht vollständig, wenn nicht erwähnt würde, dass Stress der Bezugsperson sich auch nach der Geburt schädlich auf das entwickelnde Kind auswirken kann – wie in diesen Studien über Asthma gezeigt wurde (Wright et al, 2004).Unterstützend wurde in einer großen kanadischen Studie gefunden dass die Wahrscheinlichkeit mit 7 Jahren an Asthma zu erkranken höher ist, wenn die Mutter konstantem Stress ausgesetzt ist, mit dem Zusatz, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, wenn man in eine Gutverdiener-Familie hineingeburen wurde (Kozyrskyj et al, 2008).

Auch noch sehr guter Artikel, sehr lesenswert, der das Thema Stress aber auch „Erziehungsstile – gut oder schlecht abdeckt:“

Frühe Liebe macht stark: Warum gute Bindungserfahrungen so wichtig sind | STERN.dehttp://www.stern.de/gesundheit/fruehe-liebe-macht-stark–warum-gute-bindungserfahrungen-so-wichtig-sind-7238626.htmlGute Bindungserfahrungen sind die wichtigste Grundlage, um für das Leben gewappnet zu sein. Die Hirnforschung hat dafür eindeutige Belege gefunden. Ein …

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Weitere Quellen:

Wright, Rosalind J., et al. „Chronic caregiver stress and IgE expression, allergen-induced proliferation, and cytokine profiles in a birth cohort predisposed to atopy.“ Journal of Allergy and Clinical Immunology113.6 (2004): 1051-1057.

Kozyrskyj, Anita L., et al. „Continued exposure to maternal distress in early life is associated with an increased risk of childhood asthma.“ American journal of respiratory and critical care medicine 177.2 (2008): 142-147.

van de Loo, Kim FE, et al. „Prenatal maternal psychological stress and childhood asthma and wheezing: a meta-analysis.“ European Respiratory Journal 47.1 (2016): 133-146.

Douros, Konstantinos, et al. „Prenatal Maternal Stress and the Risk of Asthma in Children.“ Frontiers in Pediatrics 5 (2017): 202.

Serpeloni, Fernanda, et al. „Grandmaternal stress during pregnancy and DNA methylation of the third generation: an epigenome-wide association study.“ Translational psychiatry 7.8 (2017): e1202.

Bergman K, Sarkar P, Glover V, O’Connor T (2010). Maternal Prenatal Cortisol and Infant Cognitive Development: Moderation by Infant–Mother Attachment. Biological Psychiatry 67(11): 1026-1032

Stress in der Schwangerschaft hinterlässt Spuren im Gehirn – SPIEGEL ONLINEhttp://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/stress-in-der-schwangerschaft-hinterlaesst-spuren-im-gehirn-a-928555.htmlStress in der Schwangerschaft ist ein Risikofaktor für spätere Depressionen und andere Krankheiten. Zu diesem Schluss kommen Jenaer Forscher. Im Gehirn von Ungeborenen haben sie entdeckt, welche Spuren Stresshormone hinterlassen.

http://www.empowher.com/print/10493845

Part 3: How Stress Affects Pregnancy and Unborn Baby

de Marco, Roberto, et al. „Foetal exposure to maternal stressful events increases the risk of having asthma and atopic diseases in childhood.“ Pediatric Allergy and Immunology 23.8 (2012): 724-729.

Beversdorf DQ, et al. Timing of prenatal stressors and autism. J. Autism Dev. Disord. 2005;35:471–478. doi: 10.1007/s10803-005-5037-8. 

Sjaarda, Calvin P., et al. „Interplay between maternal Slc6a4 mutation and prenatal stress: a possible mechanism for autistic behavior development.“ Scientific Reports 7 (2017).

http://www.child-encyclopedia.com/stress-and-pregnancy-prenatal-and-perinatal/according-experts/effects-prenatal-stress-child

http://www.dana.org/Cerebrum/2012/The_Role_of_Stress_in_Brain_Development__The_Gestational_Environment%E2%80%99s_Long-Term_Effects_on_the_Brain/

http://scholarworks.wmich.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=3593&context=honors_theses

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