„Mensch, das hätten wir auch daheim machen können…“

Ich freue mich so sehr, dass diese Geburt genau so geglückt ist, wie ihr es wolltet :-). Die gute Vorbereitung und Planung hat euch ans Ziel geführt! Vielen Dank, dass ich diesen Bericht mit allen teilen darf!

„Mein kleiner Spatz, jetzt bist du schon so groß geworden und liegst schlafend auf meiner Brust. Du bist so wunderschön und so perfekt. Da kommen mir gerade wieder ein paar Tränen der Rührung. So gerne erinnere ich mich zurück an deine Geburt. Die Zeit vergeht so schnell, und ich möchte nichts von diesem magischen Tag vergessen.

Dein großer Bruder kam leider per Kaiserschnitt zur Welt. Das war für deinen Papa und mich so gar kein schönes Erlebnis, daher wünschten wir uns eine Hausgeburt fürs nächste Mal. In dieser Schwangerschaft habe ich mich sehr ausführlich auf die Geburt vorbereitet. Mit viel Sport, Bewegung, Datteln, Hypnobirthing, Akupunktur und Ernährung nach Louwen. Ich wollte einfach nichts unversucht lassen um meinen Traum, eine ganz natürliche Geburt, zu erleben. Beim Durchgehen des OP-Berichts mit unserer Hebamme ergaben sich dann leider doch Unklarheiten und es war für uns sehr schwierig das Risiko einzuschätzen. Bis zuletzt haben wir uns daher offen gelassen, ob wir für die Geburt zu Hause bleiben oder kurz vor knapp in die Klinik wechseln. Da wir in beiden Fällen nah an unserer Wunschklinik sein wollten, mieteten wir uns eine kleine Ferienwohnung nahe der Filderklinik. Dort richteten wir uns ein und wussten, dass wir ganz für uns sein können.

Deine Geburt:
Am Abend um 11 hatte ich plötzlich eine nasse Hose und dachte sofort es sei die Fruchtblase. Auf dem Weg zum Klo kam dann auch das Gebärmuttersiegel. Ich war so aufgeregt und mein Herz schlug bis zum Hals. All die vielen Vorbereitungen auf deine Geburt und jetzt ist der große Moment gekommen. Etwas später setzten auch die ersten leichten Wellen ein und ich freute mich über jede einzelne. Wir fuhren in unsere Ferienwohnung und dort kam ich langsam zur Ruhe. Die Aufregung legte sich. Ich versuchte verschiedene Positionen aber fand irgendwie keine bequeme. Dann richtete dein Papa den Pool her und ich fühlte mich darin pudelwohl. Ach war das schön! Es war eine ganz intime, romantische Stimmung mit Kerzen und Entspannungsmusik. Die Regenbogenentspannung und den Track mit den Affirmationen hörte ich oft und es half mir beim Entspannen. Ich war wirklich wie in Trance. Ich hab es zuerst mit der Wellenatmung versucht, aber ich merkte schnell, dass das nicht mein Weg war. Also vertönte ich ganz klassisch die Wellen und vergaß alles um mich herum. Das warme Wasser tat so gut. Irgendwann wollte ich dann wissen wie spät es eigentlich ist, nach meinem Gefühl waren höchstens 1-2h vergangen, es war allerdings schon 6 Uhr morgens! Ich hatte alle 5-6 min Wellen und wir beschlossen unsere Hebamme mal anzurufen. Die sagte aber das dauert noch, das müsste schon noch intensiver werden. Wir waren ihr noch viel zu entspannt. Ich war trotzdem beruhigt und fühlte mich wieder sicherer. Ich stieg aus dem Pool raus und tatsächlich hörten die Wellen erstmal auf. Dein Papa und ich waren sehr dankbar darüber, wir waren beide müde. Wir legten uns ins Bett und schliefen 2-3h. Ach das tat gut und wir hatten danach wieder neue Kraft. Es war ET+3 und da wir unsicher waren, ob die Fruchtblase offen oder zu war und da die Wellen fast weg waren, riet uns unsere Hebamme noch kurz zum ausgemachten Kontrolltermin in die Klinik zu gehen. Dort angekommen, ging es aber ziemlich schnell wieder los und am CTG (das 1. in der Schwangerschaft) hatte ich schon alle 3 min Wellen! Liegen habe ich abgelehnt und hab stehend mit viel Beckenkreisen getönt. Ich war total auf das störende CTG-Gerät fixiert, damit es aufzeichnen konnte (trotz Bewegung) damit ich es möglichst schnell wieder los werden konnte. Die kurze Untersuchung danach ergab, dass der Muttermund erst 2cm auf und die Fruchtblase zu war. Die Hebamme dort war froh, dass wir wieder gehen wollten, da gerade sehr viel los war und als sie hörte, dass wir zuhause betreut werden fand sie es umso besser. Geschafft! Ich wollte schnell wieder heim und meine Ruhe haben. Das war mit Wellen alle 3 min gar nicht so einfach. Wir blockierten den Klinikaufzug für eine Ewigkeit. Wir lachten und scherzten über die skurrile Situation und die vielen erstaunten Blicke die eindeutig sagen wollten „he, ihr geht in die falsche Richtung!“.
Auf dem Parkplatz der Klinik (11:30 Uhr) riefen wir unsere Hebamme an. Ich wollte nicht, dass sie unnötig früh losfahren muss, es waren doch erst 2cm, aber sie hörte eine Welle am Telefon mit und beschloss, dass sie sich langsam auf den Weg macht.
Ich freute mich so sehr auf meinen Pool in der Wohnung und bin sofort wieder ins Wasser. Doch dort wurden die Wellen plötzlich viel intensiver und ich hatte Mühe so locker und entspannt zu bleiben wie zuvor. Ich war kurz frustriert über die Intensität und hab nicht realisiert, dass ich schon kurz vor der Geburtsphase stand. Ich hab gejammert und dachte ich bin noch irgendwo am Anfang. Dein Papa half mir dann beim veratmen und als es mit Tönen nicht mehr gut funktionierte, leitete er mich an wie ein Pferd zu schnauben während der Welle. Das war eine gute Idee und ich konnte wieder locker lassen. Ich hab hier ganz deutlich gespürt wie wichtig es ist alle Muskeln komplett zu entspannen. Wir waren beide echt froh als unsere Hebamme dann eintraf. Es drückte schon richtig gut nach unten und du, kleiner Schatz, hast ganz wunderbar mitgeholfen und dich mit den Füßen oben am Bauch abgestoßen. Sie schaute dann mal nach dem Muttermund. Der war schon bei 8 cm und da kam auch schon die erste Geburtswelle angerollt. Was?? Das ging so schnell! Ich war total überrascht und ich wusste schon was sie jetzt fragen wird: „Klinik oder hier bleiben“ die Frage habe ich gefürchtet, denn ich war mir immer noch total unsicher. Mein Herz wollte so gern daheim bleiben aber in meinem Kopf hatte ich Bedenken. Auch dein Papa war unsicher. Also beschlossen wir doch in die Klinik zu gehen. Ich denke es war wichtig den Kopf frei zu haben, um richtig loslassen zu können. Damit es schneller geht, hat unsere Hebamme den Rettungswagen gerufen und ist auch mitgefahren (3 min Fahrt). Im Kreissaal angekommen hatten wir Glück, dass wieder die nette Hebamme vom Vormittag da war und sie hatte kein Problem damit, dass unsere Hebamme die Geburt selbst weiter betreut. Die beiden kannten sich zufällig entfernt. So ein Glück! Besser hätte es nicht sein können! Ich war so froh, dass sie blieb. Ich kletterte von der Liege und ging sofort in den Vierfüßler. Die Geburtswellen waren sehr intensiv. Irgendwie ein Gefühl wie wenn man sich übergeben muss. Der Körper macht einfach ohne dass man es steuern kann 😉 Leise durch die Nase atmen? Ne das klappte nicht. Diese Kraft die durch den Körper schießt ist einfach unglaublich und hat ihren Raum gefordert! Ich hab das laute Tönen, Röhren, Stöhnen während der Welle einfach gebraucht und es tat mir gut. Andererseits war es auch total faszinierend und wunderschön. Ich hab genau gespürt wie dein Kopf immer tiefer gerutscht ist. Eine Hand hatte ich immer zwischen den Beinen zum Fühlen. Das war echt der Wahnsinn! Ich konnte dein Köpfchen schon streicheln. Es hat richtig stark gebrannt und ich hab mehrmals Dinge gesagt wie „wie zum Teufel soll das da durch passen“, „da geht doch bestimmt alles kaputt“. Dieses Wunder das der Körper vollbringt war einfach nicht zu fassen. Unsere Hebamme sagte immer wieder, „Na klar passt das, ich hab das schon hunderte Male gesehen! Sei mutig, drück mal richtig mit!“ Aber ich wollte nicht, ich hab mir einfach Zeit gelassen. So wie es sich für meinen Körper richtig angefühlt hat. Stückchen für Stückchen. Alles locker lassen. Sie hat dann einen Positionswechsel vorgeschlagen, da die Geburtsphase schon etwas länger ging. Seitenlage, Sitzen wollte ich nicht und so bin ich intuitiv in die tiefe Hocke gegangen. Dein Papa ist hinter mich geklettert, um mich zu stützen. Jetzt war dein Köpfchen fast da und die letzten zwei Wellen habe ich dann tatsächlich mal aus voller Kraft mitgedrückt 😉 Ich wollte dich jetzt einfach in meinen Armen haben und ich wollte, dass das Brennen aufhört. So habe ich dich auf die Welt gebracht, komplett aus eigener Kraft, nur gestützt von deinem Papa hinter mir. Ich bin so stolz auf uns – unsere Hausgeburt im Krankenhaus 🙂
(14:43 Uhr – 3900g – nach nur 45min im Kreissaal)

Ich hab dich auf meine Brust genommen, nass und nackt wie du warst. Deine Nabelschnur durfte auspulsieren und ich durfte endlich erleben wie sich Bonding anfühlt.
Wir durften ganz in Ruhe ankommen und trotz Dammriss und etwas viel Blutverlust ging es uns wunderbar.

Wir sind unheimlich glücklich und dankbar, dass du kleiner Spatz durch so eine wundervolle, schmerzarme, selbstbestimmte und zu 100% interventionslose Geburt zur Welt gekommen bist. Nicht einmal einen Zugang habe ich bekommen. Diese Erfahrung war sehr heilsam für mich und ich habe ein ganz anderes Vertrauen in meinen Körper gewonnen. Im Nachhinein denke ich manchmal „Mensch da hätten wir auch daheim bleiben können“, aber in dem Moment war es richtig so. Beim nächsten Mal dann 😉

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