Kaiserschnitt aus Gründen des Babies – Walker 1959 u. Ogbonna 2016

In einigen Publikationen wird immer auf einen Artikel aus 1959, von einem Gynekologen mit Namen Walker verwiesen, um darauf hinzuweisen, dass ein operativer Eingriff nach Diagnose der Herzfrequenz des Babies keine besseren Resultate zeigt als ohne Eingriff.

Walker, Norman. „The case for conservatism in management of foetal distress.“ British medical journal 2.5161 (1959): 1221.

Ich finde den ersten Teil der Studie recht charmant in der Einfachheit der Durchführung. In der Studie wurden jeweils 350 „distressed“ Babies per Kaiserschnitt und vaginal geboren – welche der beiden Geburtsarten ausgesucht wurden, lag jeweils an der Haltung des behandelnden Arztes.

Diejenigen „Geburtshelfer, die an die radikale Behandlung von „fetal distress“ glaubten, neigten“ dazu, „operative Methoden zu verwenden, während diejenigen, die eher konservativ waren, einer Politik der Nichteinmischung folgten“. Der Ausgang für die Babies war vergleichbar bei Kaiserschnitt und vaginaler Geburt (gemessen am der Verlustsrate), ja sogar etwas besser für die vaginale Geburt.

Der zweite Teil war ein zufälliges Entscheiden der Massname (ein Umschlag wurde aus einer Trommel gezogen). Auch in diesem Test waren die Folgen für die Babies (gemessen an der Verlustrate) wieder die gleichen.

Durch genauere Analysen der vorliegenden 700 Fälle kommt Walker zu dem Schluss, dass vor allem eine cephalopelvic disproportion (CPD, also wenn das Becken zu eng ist für den Kopf des Baby’s ist) ein echtes Problem darstellt, da ein übermässiger Druck auf den Kopf des Babies schlecht für das Baby sei. Ansonsten müsste man ebenfalls differenzieren. Abnormale Herzfrequenz sei, wie durch diese Studie gezeigt, sagt er, aber kein guter Grund anzunehmen, dass das Baby tatsächlich Probleme hätte, da zum Beispiel eine physiologische normale Reaktion des neugeboreren Babies ist, dass seine Herzfrequenz abfällt, wenn man mittelmässigen Druck auf seinen Kopf ausübt. Dies kann ja durchaus bei der Geburt mit dem Kopf voraus vorkommen :-). Wenn man den Druck anhält, folgen dann auch Irregularitäten des Herzschlages, sagt Walker.

Nun, aus der Sicht von HypnoBirthing, sind dies interessante Punkte. Folgenden sind Leitsätze von HypnoBirthing

1) Dein Becken ist gross genug für Dein Baby.
2) wir vertrauen unserem Körper, und unser Körper kann unser Kind leicht gebären (wir halten niemals die Luft an!)
3) wir verwenden die Geburtsatmung, um unseren Körper dabei zu unterstützen, unser Kind sanft nach unten zu atmen.

CPD ist mittlerweile in der Literatur so formuliert, dass das wirklich zu kleine Becken sehr selten ist, und die Diagnose viel zu häufig gestellt wird, vor allem bei „failure to progress“.

Hypothese: die CPD Diagnose wird dann gestellt, wenn die Mutter nicht entspannen kann, und sie gegen ihren Instinkt und Körper arbeiten muss. Dadurch kommt es dann zu „failure to progress“.

Vor allem das damalige sehr häufige „Rote Drücken“ (also mit angehaltenem Atem und so stark wie möglich) würde dann den Kopf des Babies verstärkt gegen den noch nicht vorbereiteten Geburtsweg drücken – was schlecht für das Kind ist. Ein sanftes nach unten atmen ist da um einiges gesünder, für Mutter und Baby.

Wie bereits gesagt, gab es keine weitere Studie die diese Frage so in Betracht gezogen hat. Was man sonst noch in Betracht ziehen sollte ist, dass man nicht einfach Prozentzahlen aus dem Jahr 1959 aus anderen Jahren vergleichen kann, da es weitere soziale Fortschritte gegeben hat, oder auch andere Faktoren, die zu Unterschieden führen können.
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Obwohl Rockenschaub in seinem Buch recht klar ausdrückte, dass diese Studie einmalig war (also sonst dieser Frage niemand weiter nachgegangen ist), habe ich mich nun auf die Suche gemacht, um zu erforschen, ob ich nicht den Tatbestand etwas mehr erleuchten kann, vor allem mit neueren Publikationen.

Soweit habe ich tatsächlich noch keine neuere Publikation entdeckt, die diese Frage direkt erörtert – wobei es in der Tat eine Reihe von Publikationen über den Zusammenhang von Herzfrequenz und „fetal distress“ gibt.
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Die erste Publikation, die mir interessant vorkam war folgende:
„Ajah, Leonard Ogbonna, et al. „Evaluation of Clinical Diagnosis of Fetal Distress and Perinatal Outcome in a Low Resource Nigerian Setting.“ Journal of Clinical & Diagnostic Research 10.4 (2016).“ (http://jcdr.net/articles/PDF/7687/17274_CE[Ra]_F(Sh)_PF1(AYAK)_PFA(AK)_PFA2(AK)_PF2(PAG).pdf).

Hier wird beschrieben, wie viele der Kaiserschnitte, die wegen „fetal distress“ durchgeführt werden, unnötig sind, da nach der Geburt keinerlei Anzeichen zu finden sind, dass das Baby ein Problem hatte (über 70%, um genau zu sein).

In der Studie wurden Auffinden von Stuhlbewegungen des Babies und/oder seine Herzfrequenzrate (wobei <120 und >160 als problematisch gesehen wurde) als Anzeichen von „fetal distress“ gesehen.

Da über 70% der Babies sofort nach der Geburt keine Probleme (nach dem APGAR Score) zeigten, ist die Schlussfolgerung, dass diese beiden Analysen nicht genügen, um zu wissen, wie es dem Baby geht. Der Autor schlägt eine Reihe weiterer Tests vor, die man vor dem operativen Eingreifen durchführen könnte, wie dem biophysischen Profils (wo man noch zusätzlich die Atmung, Bewegungen und Muskeltonus auswertet).

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