Meine 11 Top Tipps wie Du Deine schöne physiologische Geburt erreichst

Eine Geburt kann was wunderschönes sein. Ein Erlebnis, dass Dich bestätigt, und Dich durch das Geburtserlebnis als Frau und Mutter wachsen lässt. Das kann bestimmt bei allen Geburten der Fall sein, ob nun „natürlich“ oder nicht. Nur ist es bei natürlichen Geburten – unter den richtigen Voraussetzungen (und damit verstehe ich, wenn der Körper so funktionieren darf, wie es von der Natur her vorgesehen ist), bestimmt leichter, dieses so zu empfinden – vor allem die Geburt als Beweis und Bestätigung seiner Kraft und seiner Möglichkeiten zu empfinden.

Leider wird es den Müttern nicht immer leicht gemacht. Solche Geburtshelfer, die sich auf die physiologische (also natürliche) Geburt spezialisiert haben, fassen das in der Regel so zusammen. Ein normaler Geburtsbegleiter, der nur im Krankenhaus Geburten miterlebt, hat häufig kaum noch die Möglichkeit eine physiologische Geburt mitzuerleben (Reed, 2017). Diese Geburtshelfer unterscheiden dabei zwischen „normalen“ Geburten und physiologischen Geburten. Normale Geburten sind in der Regel vaginale Geburten, können aber auch Geburten durch Kaiserschnitte sein, wenn das in dem Gebiet eben das ist, was normalerweise stattfindet. Physiologische Geburten hingegen sind die, wo in der Tat die Frau nicht nur vaginal gebiert, sondern dabei von ihren Geburtshormonen in der Weise unterstützt wird, wie es von der Natur vorgesehen bzw. möglich ist.

Dies mag auch einer der Gründe sein, weshalb die Kaiserschnittrate weltweit jährlich zunimmt. Aktuelle Statistiken aus 150 Ländern zeigen eine globale Kaiserschnittrate von 18,6% aller Geburten – fast 1 von 5 Frauen auf der ganzen Welt gebärt per Kaiserschnitt. Daten aus 121 Ländern zeigen zusätzlich, dass zwischen 1990 und 2014, die globale Kaiserschnittsrate um 12,4% anstieg. In manchen Ländern liegt dabei die Kaiserschnittrate bei über 50% – in Deutschland sind wir dabei „nur“ bei 30,9 % aller Geburten – was in Europa eher ein Schlusslicht ist (siehe Graphik, OECD Daten).

Der Anteil der Risikoschwangerschaften hat in Deutschland auch beträchtlich zugenommen. Im Jahr 1999 wurden bereits bei 74% aller schwangeren Frauen Schwangerschaftsrisiken nach Kriterien der Mutterschaftsrichtlinien angegeben (Schücking, et al, 2004). Dabei sollte beachtet werden, dass Länder wie Schweden, die mit ungefähr 15% Kaiserschnittrate dabei sind, dieselben „Probleme“ haben wie wir – namentlich das spätere Kinderkriegen und Übergewicht, etc (mehr Informationen dazu findet ihr auch in diesem Beitrag). Dennoch benötigen die Schweden „nur“ halb so häufig einen Kaiserschnitt wie wir.

WHO sagte dazu: „Wie bei jeder Operation sind Kaiserschnitte mit kurz- und langfristigem Risiko verbunden, die sich jahrelang über die aktuelle Geburt hinaus erstrecken und die Gesundheit der Frau, ihres Kindes und zukünftiger Schwangerschaften beeinträchtigen können.“ (Bertran et al, 2016). „Wenn medizinisch gerechtfertigt, kann ein Kaiserschnitt die mütterliche und perinatale Mortalität und Morbidität verhindern. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass der Kaiserschnitt positiv ist für Frauen oder Kleinkinder, in denen es nicht erforderlich ist. Der Kaiserschnitt ist mit einem Kurz- und Langzeitrisiko verbunden, das über die laufende Geburt hinausgeht und zukünftige Schwangerschaften beeinträchtigen kann. Darüber hinaus scheint die Zunahme der Kaiserschnitt-Raten unkontrollierbar, ohne dass die Zunahme sich verlangsamt. Die Situation verschärft sich durch die Tatsache, dass die Ursachen des Aufstiegs nicht vollständig verstanden werden, als ein komplexes multifaktorielles Labyrinth mit Heilsystemen, Gesundheit-Dienstleistern, Frauen, Gesellschaften und sogar Mode und Medien“. Die WHO sagt übrigens, dass eine optimale Kaiserschnittrate bei 10% liegt (WHO Statement, 2015). Darüber und darunter sind Frauen und ihre Babys nicht optimal versorgt (das heisst, dass es zu weniger guten Ergebnissen kommt, statistisch (also quasi flächendeckend) gesehen).

Wie bereits anderswo im meinem Blog erwähnt, können Langzeitfolgen eines Kaiserschnittes mitunter sein: Für Baby Allergien – je nach Studie 500 % – 37 % erhöhte Wahrscheinlichkeit (Henry Ford Health System, 2013; Renz‐Polster et al, 2005); Obesität (13 % erhöhte Wahrscheinlichkeit, Li et al, 2013); Asthma (zwischen 20% und bis zu 20 Mal so wahrscheinlich, Sevelsted et al, 2015 bzw. Arrieta et al, 2015 (extrapoliert durch kausale Linkung, die höchstwahrscheinlich nicht voll übertragbar ist); Diabetes Typ 1 (20 % erhöhte Wahrscheinlichkeit, Cardwell et al, 2008), und neurologische Entwicklungsstörungen (20% erhöhte Wahrscheinlichkeit, Chen et al, 2017). Für Mama kurzfristige Probleme (wie es halt zu erwarten ist, wenn einem der Bauch aufgeschnitten wird), aber auch u.U. langfristige Probleme bei der Narbenverheilung, und Folgeprobleme und Gefahren wegen Narbe bei weiteren Geburten, die durchaus wichtig sein können, und Probleme die Mutter-Kind Bindung aufzubauen.

Also was können wir, die Mamas, tun, um einen ungewollten und ungebrauchten Kaiserschnitt zu vermeiden? Wie kann man die Chancen erhöhen, eine natürliche, physiologische Geburt zu haben?

  1. Lade medizinisches Personal zu Deiner Geburt ein, die ihre Kompetenz, Dich in Deinem Geburtswunsch zu unterstützen, mit Zahlen belegen können. Es kommt nicht nur aufs Herz an, sondern auch auf das Wissen, eine Frau in ihrem Wunsch praktisch unterstützen zu können. Nur Zahlen können diese Kompetenz klar belegen.
  2. Am Besten ist eine 1:1 Unterstützung Deiner gewählten geburtstechnisch kompetenten Begleitperson. Personalmangel steht als einer der vermuteten Gründe des Zunehmen der Kaiserschnittrate im Raum.
  3. Bereite Dich auch gut mental auf Deine Geburt vor – Angst vor der Geburt steht einer physiologischen Geburt nur im Wege. Ein guter Geburtsvorbereitungskurs kann hier erheblich weiterhelfen. Vorsicht bei den normalen Geburtsvorbereitungskursen – sie schüren die Angst vor der Geburt (siehe hier)
  4. Werde physisch aktiv! Becken-Balance ist wichtiger Faktor, wie Dein Baby vor der Geburt zum Liegen kommt, und das ist wiederum ein wichtiger Faktor für die Geburt, und welche Optionen Du hast! Außerdem kann Sport sogar Dein Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken, erheblich verringern!
  5. Ernähre Dich gesund und Vitamin- und Mineralstoffreich! Es gibt viele Studien, die belegen, wie wichtig es ist, dass die Schwangerschaft besser verläuft, wenn Vitamin X oder Mineral X gut vorhanden ist. Besonders auf den Punkt bringend finde ich eine kleine Studie, die zeigte, dass Mütter, die Datteln in der Schwangerschaft aßen, eine kürzere Öffnungsphase in der Geburt hatten – was darauf hindeutet, dass ein ausgewogener, und gut ernährter Körper besser auf die Geburt vorbereitet ist. Ausserdem kann auch unsere Ernährung beeinflussen, ob sich die Fruchtblase vor der eigentlichen Geburt öffnet, oder erst irgendwann während der Geburt (welches vorzuziehen ist).
  6. Eine Doula kann in unserem Krankenhaus-Milieu viel dazu beitragen, dass es nicht zum Kaiserschnitt kommt. In einer neueren Meta-Analyse-Studie (also eine, die mehrere andere zusammenfasst  (Fortier et al, 2015 – Schwangere insgesamt=2019, Schwangere mit Doula=1014)), die nur solche Studien in Betracht zog, die sich ausschließlich mit Erstgebärenden, die keine Risikoschwangerschaft haben, betrachtete, fand dass mit Doula-Unterstützung die Kaiserschnittrate um mehr als 30% niedriger war, als ohne – das würde bedeuten, dass deutschlandweit, wenn jede Schwangere eine Doula zur Verfügung hätte, die der Ausbildung in der Studie gleichkäme, die Kaiserschnittrate bei nur noch 21% liegen würde.
  7. Ermögliche Deinem Körper, dass die Hormone für ihn in der Geburt arbeiten können. Dazu ist es am Besten, wenn der Neokortex nicht angeregt wird – also kein grelles/helles Licht, kein Reden, kein logisches Denken, kein sich beobachtet fühlen. Stattdessen ein in-sich-kehren, sich beschützt fühlen, und- wie bereits gesagt – keine Angst haben, und entspannt und positiv sein.
  8. Bleibe aktiv während der Geburt. Lass das Bett keine Rolle in Deiner Geburt spielen. Eine Cochrane Bewertung (eine große Meta-Analyse anderer Studien), die über 3700 Schwangere umfasste, fand, dass jene Frauen, die aufrecht waren, eine verkürzte Öffnungsphase von über einer Stunde hatten, und weniger PDAs brauchten.
  9. Baue schon während der Schwangerschaft eine gute und innige Beziehung zu Deinem Kind auf. Es gibt Studien die belegen, dass solche Kinder weniger häufig zu früh geboren werden, und seltener ein niedriges Geburtsgewicht haben. Auch hat dies positive Auswirkungen auf Mama, und Papa und selbst ihre Beziehung zueinander! Außerdem ist Dein Baby Dein Verbündeter in der Geburt!
  10. Lade die passenden (nicht-medizinischen) Leute zu Deiner Geburt ein – sie sollten Dich voll und ganz unterstützen, mit Dir in dieselbe Richtung blicken, und Dir ständig positive Bestätigung geben – dies hilft der Mutter voller Selbstvertrauen und Gelassenheit ihren Körper einfach machen zu lassen. Das ist einfach so wichtig in der Geburt! Aber beachtet, dass sie tatsächlich voller Zuversicht sein sollte – denn ihr spürt Angst, und die überträgt sich dann auf euch!
  11. Und dann, last but certainly not least: Glaube daran, dass Du eine tolle erfüllende Geburt erleben wirst! Dein Baby und Du seid einfach ein tolles Team!

Viel Erfolg!

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Quellen:

Betran, A. P., et al. „WHO Statement on caesarean section rates.“ BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology 123.5 (2016): 667-670.

Schücking, Beate, and Clarissa Schwarz. „Technisierung der“ normalen“ Geburt. Interventionen im Kreißsaal.“ Dokumentation Forschungsprojekte 1 (2005): 1999-2004.

WHO. „Caesarean sections should only be performed when medically necessary“. News release. ​​10 APRIL 2015.

Renz‐Polster, H., et al. „Caesarean section delivery and the risk of allergic disorders in childhood.“ Clinical & Experimental Allergy 35.11 (2005): 1466-1472.

Henry Ford Health System. „Babies born by C-section at risk of developing allergies.“ ScienceDaily. ScienceDaily, 25 February 2013. <www.sciencedaily.com/releases/2013/02/130225091904.htm>

Li HT, Zhou YB, Liu JM. The impact of cesarean section on offspring overweight and obesity: a systematic review and meta-analysis. Int J Obes (Lond). 2013 Jul;37(7):893-9. doi: 10.1038/ijo.2012.195. Review. PubMed PMID: 23207407 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23207407/

Cardwell CR, Stene LC, Joner G, Cinek O, Svensson J, Goldacre MJ, Parslow RC, Pozzilli P, Brigis G, Stoyanov D, Urbonaite B, Sipetić S, Schober E, Ionescu-Tirgoviste C, Devoti G, de Beaufort CE, Buschard K, Patterson CC. Caesarean section is associated with an increased risk of childhood-onset type 1 diabetes mellitus: a meta-analysis of observational studies. Diabetologia. 2008 May;51(5):726-35. doi: 10.1007/s00125-008-0941-z. PubMed PMID: 18292986. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18292986/

Arrieta, Marie-Claire, et al. „Early infancy microbial and metabolic alterations affect risk of childhood asthma.“ Science translational medicine 7.307 (2015): 307ra152-307ra152.

Sevelsted, Astrid, et al. „Cesarean section and chronic immune disorders.“ Pediatrics 135.1 (2015): e92-e98.

Reed, Rachel. Interview „Better Birth 360“. 2017.

Chen, Ginden, et al. „Associations of caesarean delivery and the occurrence of neurodevelopmental disorders, asthma or obesity in childhood based on Taiwan birth cohort study.“ BMJ open 7.9 (2017): e017086.

Vitamin D und Gelbsucht in Babys

Ich habe heute über Vitamin D, Sonne, und Babys nachgedacht, und wollte wissen, was denn Studien über den Zusammenhang von Vitamin D und Gelbsucht sagen – immerhin ist eine Therapiemöglichkeiten von gelbsüchtigen Babys Sonne!

Ich habe mir gedacht, wenn nun die Mama nicht genug Vitamin D hat, dann kann ja das Neugeborene, das vielleicht auch noch nur im Haus bleibt in den ersten Tagen und Wochen, oder im Winter geboren wird, seine Vitamin D Zufuhr nur von der Mama bekommen! Und wenn die, wie in Deutschland, in der Altersklasse, in der man vor allem Kinder bekommt, zu mindestens 50 % Vitamin D Mangel hat (Hintzpeter et al, 2008, 18-34, + ein kleiner Einfluss von 35-64 Jahren. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass 50 nmol/L = 20 ng/ml weit weg ist von einem optimalen Vitamin D Wert, der immer als über 30 ng/ml und eher zwischen 35 und 45 ng/ml angesehen wird)… . Na ja, das Bild ist glaube ich klar genug …

Also, ich habe nur eine gefunden, die diesen Zusammenhang studiert hat (Aletayeb, 2016). Sie ist sehr klein, und noch dazu gab es einen erheblichen Unterschied in den beiden Gruppen zwischen vaginalen Geburten und Kaiserschnittgeburten – was bedeutet, dass es sehr schwer ist, zu wissen, dass man das Richtige misst – ein Unterschied könnte z.B. auch sein, dass bei Kaiserschnittgeburten standardmässig die Nabelschnur früher oder später getrennt wurde – darauf wird in der Studie überhaupt nicht eingegangen.

Das erste vorneweg – gelbsüchtige Babys haben tatsächlich häufig einen niedrigeren Vitamin D Spiegel als die, die keine entwickeln (Aletayeb, 2016).

Kommt das von den Mamas? Mir als unerklärlich scheint, dass die Autoren zum Schluss kommen, dass es zwischen den Müttern in der Fall- und Kontrollgruppe in ihren 25-hydroxy vitamin D Werten zu keinen statistisch signifikanten Unterschieden kam, die Mittelwerte und Standardabweichungen werden aber als jeweils 22.49±80.30 und 80.19±26.26 (nmol/L) angegeben – 22.49 als Durchschnitt ist sehr niedrig – nur 9 ng/ml (wie oben erwähnt, ein Wert von weniger als 20 ng/ml gilt als Defizit, ab 30 ng/ml kann man von gut sprechen), und das ist der Durchschnittswert der 30 Mütter! Das heißt, das einige noch weniger hatten – die Standardabweichung war allerdings sehr hoch, 32 ng/ml – was bedeutet, dass Vitamin D wohl zumindest nicht der einzige Faktor ist, ob ein Baby Gelbsucht entwickelt, denn einige der Mütter hatten auch gute Vitamin D Werte. In der Kontrollgruppe ist der Durchschnittswert mit rund 32 ng/ml angegeben, und was ebenso wichtig ist, viel weniger Mütter hatten einen niedrigeren Wert, denn die Standardabweichung ist „nur“ 10.5 ng/ml.

Eine weitere interessante Studie in dem Zusammenhang berichtet im Übrigen von einer signifikanten direkten Korrelation zwischen mütterlichen Vitamin D Aufnahme und der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.

Weitere relevante evidenzbasierte Blogeinträge zu Vitamin D:

http://blog.stuttgart-hypnobirthing.de/hashimoto-thyreoiditis-und-vitamin-d/

http://blog.stuttgart-hypnobirthing.de/zaehne-und-molar-incisor-hypomineralisation/

http://blog.stuttgart-hypnobirthing.de/vitamin-d-mangel-erhoeht-die-gefahr-von-autismus/

Quellen:

Bhutani, Vinod K., Lois Johnson, and Emidio M. Sivieri. „Predictive ability of a predischarge hour-specific serum bilirubin for subsequent significant hyperbilirubinemia in healthy term and near-term newborns.“ Pediatrics 103.1 (1999): 6-14.

Hintzpeter, Birte, et al. „Vitamin D status and health correlates among German adults.“ European journal of clinical nutrition 62.9 (2008): 1079-1089.

Aletayeb, Seyyed Mohammad Hassan, et al. „Comparison between maternal and neonatal serum vitamin D levels in term jaundiced and nonjaundiced cases.“ Journal of the Chinese Medical Association 79.11 (2016): 614-617.

Maghbooli, Zhila, et al. „Vitamin D status in mothers and their newborns in Iran.“ BMC pregnancy and childbirth 7.1 (2007).

Hashimoto-Thyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung) und Vitamin D

Ich beobachte zur Zeit, dass viele Mamas zu mir kommen, die mit Hashimoto Thyreoiditis diagnostiziert wurden.

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Anfangs kann es dabei zur Schilddrüsenüberfunktion kommen, aber auf Dauer führt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Bei der anfänglichen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann es zu folgenden Symptomen kommen: Gewichtsverlust, Nervosität, Zittern, Durchfall, Schwitzen und Herzklopfen. Nachdem es zur Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gekommen ist, sind häufige Beschwerden Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit und depressive Verstimmungen.

Ich möchte hier eine Idee in den Raum werfen. Hashimoto wird zu einer der beiden meistverbreitendsten Formen von autoimmunen thyroiden Erkrankungen (AITE) gezählt (Ma et al, 2015). Dieselbe Studie zeigte ebenfalls, dass bei Erkrankten ihr Vitamin D Spiegel (Serum 25(OH)D Werte) um ca. 4 ng/ml weiter unten lag, bei um die 13 ng/ml, als bei der Kontrollgruppe ohne Hashimoto (die hatten so ca 17 ng/ml) lag. Es gibt auch weitere Studien, deren Ergebnisse hindeuten, dass es einen Link gibt zwischen niedrigen 25(OH)D Werten und autoimmunen thyroiden Erkrankungen gibt, wie z.B. Wang et al, 2015.

Zu diesen Werten ist folgendes anzumerken. Sie sind sehr niedrig, von beiden, Hashimoto-Patienten und Kontrollgruppe – was wenig verwunderlich ist. Es ist bekannt, dass dier Vitamin D Spiegel in allen Einwohnern von Industrieländern unzureichend ist. Dr Raimund von Helden, der Autor von „Gesund in 7 Tagen„, erforscht seit 2005 den Vitamin-D-Mangel und ist der Entdecker und Erstbeschreiber des akuten Vitamin-D Mangel-Syndroms. In seinem Buch sagt er, dass es ungefährlich ist, unter 100 ng/ml zu sein, und dass ein Wert von 50 ng/ml angestrebt werden sollte, um nicht nur einen Schutz gegen Osteoporosis zu haben, sondern ebenfalls einen Schutz vor Krebs (wie hoch der optimale Wert ist, ist allerdings umstritten – normalerweise liegt sie allerdings bei mindestens 35 ng/ml).

Es ist ebenfalls bekannt, dass Vitamin D Mangel mit Autoimmunkrankheiten in Verbindung gebracht werden.

In Ma et al (2015) wurde gefunden, dass je 2 ng/ml (der angegebene Wert nach nmol/L zu ng/ml Konvertierung) Erhöhung des 25(OH)D Wertes eine 1.62-fache Verringerung des Risikos für Hashimoto Thyreoiditis entspricht – das ist ja schon ganz enorm! Und noch eine zusätzliche Spekulation: kann man Hashimoto durch Langzeit-Einführung von guten, und auf jeden Fall ungefährlichen Vitamin D Werten zumindest  aufhalten, ja vielleicht sogar lindern? Es gab bereits eine sehr kleine Studie zu dem Thema (Anaraki et al, 2017). Sie sind nicht den Richtlinien von R. von Helden (2015) gefolgt (Berichtigung des 25(OH)D Defizits durch eine (sehr) hohe Einmaldosis, danach Erhaltungsdosis). Stattdessen haben sie über 12 Wochen 50.000 IE pro Woche gegeben, welche zu einer stetigen Erhöhung des Serum 25(OH)D Wertes geführt hat, bis zu 45.53 ng/mL – also eine Erhöhung des 25(OH)D Wertes um 2,6 ng/ml pro Woche – also waren die Patienten, die Vitamin D erhalten haben, nach 6 Wochen immer noch unter 30 ng/ml.

Hier wurde das Experiment beendet, weil die Kontrollgruppe sehr niedrige Serum 25(OH)D Werte hatte (13.28 ng/ml), und es unethisch gewesen wäre, sie auf dem Plazebo zu halten. In ihrer Diskussion, ganz am Ende, bei Limitationen ihrer Studie, geben die Autoren an, dass, hätten sie länger Zeit gehabt, hätten sie Effekte des Vitamin D’s auf „outcome measures“ gefunden – kann man das nun so verstehen, dass sie aus welchen Gründen auch immer, positive Erkenntnisse nicht weiter benennen, sie aber nach Ende der 12 Wochen Periode gefunden haben?

Was unbeantwortet bleibt ist sind zwei Fragen: 1) ob durch die Gabe des Vitamin D’s eine weitere Verschlechterung des Zustands der Schilddrüse vermieden wird? und 2) ob der Körper einfach länger gute Werte von Vitamin D benötigt, um sich zu erholen, und messbare Verbesserungen zu zeigen? Zu 1) sollte man erklärend folgendes wissen. Normalerweise werden Schilddrüsen-Probleme erst nach durchschnittlich 10 Jahren diagnostiziert (Wentz, 2017), und der normale Test, der dazu benutzt wird, der TSH (thyroid stimulating hormone) Test scheint erst dann anzuschlagen, wenn schon ein Großteil der Schilddrüse bereits zerstört ist – Wentz sagt, dass da häufig bereits 90% der Schilddrüse zerstört sind (Wentz, 2017). Das bedeutet also, dass man eigentlich hätte messen müssen, ob in der Vitamin D Gruppe über einen langen Zeitraum ein weiteres Verschlechtern der Situation hat aufgefangen werden können, verglichen mit der Plazebogruppe – ein Wiederherstellen der Schilddrüse, nachdem sie bereits größtenteils zerstört ist, ist eventuell etwas komplexer als ein 3-Monate Job, und nur für Vitamin D als aktiver Bestandteil. Ich hoffe, dass noch eine Folgestudie erscheint.

Auf jeden Fall ist Vitamin D wichtig in der Schwangerschaft und danach. Es reduziert zum Beispiel die Gefahr von Diabetes (von Helden 2015) – lest euch dazu außerdem durch:

http://blog.stuttgart-hypnobirthing.de/zaehne-und-molar-incisor-hypomineralisation/ durch, und
http://blog.stuttgart-hypnobirthing.de/vitamin-d-mangel-erhoeht-die-gefahr-von-autismus/, und
http://blog.stuttgart-hypnobirthing.de/vitamin-d-und-gelbsucht-in-babys/

und senkt ansonsten drastisch die Gefahr von Diabetes Typ 1, und konnte sie manchmal sogar im Anfangsstadium in Remission gehen lassen (von Helden 2015).

Im Übrigen sagt Wentz, dass für eine Verbesserung der Schilddrüse-Funktion wichtig ist, alle Nährstoffe im Körper auszubalanzieren, und der Blutzucker ausgeglichen werden sollte. Sie sagt ebenfalls dass in 88% ihrer Klienten eine deutliche Verbesserung eintritt, wenn man Gluten aus der normalen Diät streicht, (80% durch das Weglassen von Milchprodukten, und 76% durch das Weglassen von Soya).

Desweiteren finde ich eine Idee interessant, der ich begegnet bin: es ist wie gesagt bekannt, dass wir Magnesium benötigen, um Vitamin D aufzunehmen. Es ist ebenfalls bekannt, dass Magnesium-Mangel ebenfalls ein Volksleiden ist. Die Idee ist die, dass unserem Vitamin D Mangel unser Magnesium-Mangel zugrunde liegt – und wenn wir den korrigieren, würde auch unser Vitamin D Mangel ausgeglichen. Dazu gibt es eine Studie  (Rude, et al, 1985). Sie besagt, dass es in der Tat nur durch Magnesium-Gabe zu einem nicht signifikantem Anstieg des Vitamin D (1,25-(OH)2D) Spiegels kam, nach 5-13 Tagen Magnesium-Gabe. Das Zusammenspiel zwischen Vitamin D und Magnesium ist auch durch andere Studien belegt worden, deshalb sollte man immer darauf achten, dass man genügend Magnesium zur Verfügung hat, wenn man gerne Vitamin D aufnehmen möchte.

Letzte Aktualisierung: 31.7.2017

Quellen:

RUDE, ROBERT K., et al. „Low serum concentrations of 1, 25-dihydroxyvitamin D in human magnesium deficiency.“ The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 61.5 (1985): 933-940. 

Ma, Jie, et al. „Lower serum 25-hydroxyvitamin D level is associated with 3 types of autoimmune thyroid diseases.“ Medicine 94.39 (2015).

Anaraki, Parichehr Vahabi, et al. „Effects of Vitamin D deficiency treatment on metabolic markers in Hashimoto thyroiditis patients.“ Journal of Research in Medical Sciences: The Official Journal of Isfahan University of Medical Sciences 22 (2017).

Dr Raimund von Helden, „Gesund in 7 Tagen„, 2015.

Wang, Jiying, et al. „Meta-analysis of the association between vitamin D and autoimmune thyroid disease.“ Nutrients 7.4 (2015): 2485-2498.

Izabella Wentz. „Thyroid Disorders and Immune Health“. Immune Defense Summit (2017).

… und manchmal kommt es anders als man denkt

Natürliche Geburten können auch mal länger dauern, und das ist OK, solange es Mutter und Kind gut geht! Die neuen „American Congress of Obstetricians and Gynecologists“ (ACOG) Richtlinien wurden vor Kurzem in diesem Sinne verändert. Früher war offizielle „aktive Geburt“ ab 4 cm Öffnung des Muttermundes. Aktive Geburtsphase ist ab da, wo man tatsächlich damit rechnen kann, dass es regelmässiger, „aktiver“ voran geht mit der Geburt. Aufgrund neuer Studien (in den letzten 10 Jahren) hat man endlich diese Zahl angepasst, und man weiss nun auch realistischere Zahlen für die heutige Geburt – vorbei ist die Zeit der „1 cm pro Stunde“ (wer mehr wissen möchte kann gerne entweder den Quellen unten folgen, oder auf evidencebasedbirth.com den Artikel lesen), und „aktive Geburt“ geht übrigens erst mit 6 cm los! Warum das relevant ist? Weil die neue Richtlinie besagt, dass man vor „aktiver Geburt“, also neuerdings 6 cm, nicht von Geburtsstillstand reden kann, und man damit ein häufiger Grund für ungeplante Kaiserschnitte wegfällt!

ACHTUNG: Wenn ihr schon im letzten drittel eurer Schwangerschaft seid, oder dies nach eurem HypnoBirthing Kurs ist: hört hier auf zu lesen, und seht euch das Video nicht mehr an, es bringt euch nichts, euch mit „was alles möglich ist“-Szenarien auseinander zu setzen! Dies ist ein VLOG einer Schwangeren, die ein absoluter Einzelfall ist! Sie ist ausserhalb aller Geburten in den Studien! Hört jetzt auf zu lesen, geht zu nächsten Video 🙂

Wenn ihr noch vor eurem Kurs steht, oder selber gerade in einer länger dauernden Geburt seid: dann schaut es euch an, wie toll so eine längere Geburt enden kann, wenn man sich und dem Kind die Zeit einräumt, und es locker und gelassen nehmen kann :-).

Also, hier NUR WEITERLESEN, wenn ihr wirklich wollt!

Hier ist ein VLOG von einer Schwangeren, die – nach einer „einfachen“ ersten Geburt – ganze 12 Tage Geburt hatte! Am ersten Tag noch voller Zieldrang, ändert sich das dann mit Fortschreiten der Tage 😉 gegen Ende gibt es dann wieder Familienausflüge und so :-). Diesen VLOG habe ich vor allem deshalb gepostet, damit man sich beswusst macht, dass man immer offen sein muss in einer Geburt, dass man nie vorherseagen kann, wie die Geburt verlaufen wird. Durch das Akzeptieren macht man es sich viel einfacher (vielleicht hätte diese mama dann keine Tränen vergossen, bevor sie sich mit ihrer Situation versöhnen konnte – sie sagt dann „I give up“ ;-)). Bei jeder Situation annehmen hilft HypnoBirthing im Übrigen ebenfalls – so wichtig!

Ansonsten bemerkenswert ist, dass sie sich die vaginalen Untersuchen auch selber macht. Und dann noch der Grund, weshalb es so lange gedauert hat: Baby hatte Schwierigkeiten beim Tiefertreten.

Chiropractor war ja da, sie haben auch den abdaminal lift & tuck gemacht. Drei Dinge, die zumindest nicht gezeigt wurden und vielleicht geholfen hätten ist der Eisbär, forward leaning inversion, und dann noch side-lying release (mehr Infos zu all diesen Techniken auf spinningbabies.com).

Quellen:

Neal, Jeremy L., et al. „“Active Labor” Duration and Dilation Rates Among Low‐Risk, Nulliparous Women With Spontaneous Labor Onset: A Systematic Review.“ Journal of Midwifery & Women’s Health 55.4 (2010): 308-318.

Zhang, Jun, et al. „Contemporary patterns of spontaneous labor with normal neonatal outcomes.“ Obstetrics and gynecology 116.6 (2010): 1281.

Normenkurven (Perzentilkurven) – prä- und postnatal

Vor der Geburt wird versucht, das Baby „zu messen“ – mit Hilfe von einer recht grossen Bandbreite von mathematischen Formeln, die alle Schätzwerte sind, die mehr oder weniger genau sind. Und nach der Geburt geht dies genau so weiter.

Bei meinem ersten Baby hatten wir einen schweren Start, und danach war ich völlig versessen, mein Kind zu wiegen. Ständig lag mein Kind auf der Waage – jeden Tag ein Mal. Sogar in den Urlaub musste diese doofe Waage mit. Und das ging Monate lang so! Mein erstes Kind durfte mir auch so lange sie wollte an der Brust bleiben – bis zu vier Stunden allein am Abend! Das tat mir nicht gut – ich nahm zu. Und meinem Kind vielleicht auch nicht – sie wurde RICHTIG mollig – und sie schläft selbst heute noch nicht gut in der Nacht – denn sie hat bestimmt statt zu essen an meiner Brust geschlafen.

Bei meinem zweiten Kind hatte ich einiges aufgearbeitet und mir war klar: die Waage brauche ich nicht, um zu sehen, ob es meinem Kind gut geht.

Dann, ich glaube es war als mein Sohn 3 Monate alt war, eventuell schon mit 2 Monaten, bei einem der U’s (also Kinderarzt-Untersuchungen), hiess es:

„Frau Maier, Ihr Sohn ist zu klein. Sie sollten ihm Brei zufüttern. Eventuell ist er so klein, weil er nicht genug zu essen bekommt“.

Ich war davon überzeugt, dass Sillen das Beste für mein Kind ist, und zufüttern kam für mich auf gar keinen Fall in Frage. Mein Kind war PERFEKT. Rundungen, wo es sein sollte, halt nicht so gross, wie ein Durchschnittskind in Deutschland.

Nach einer kurzen Diskussion mit der Kinderärztin war das Thema Gott sei Dank vom Tisch.

Ich möchte euch erklären, weshalb das so war.

Diese Kurven kommen folgendermassen zustande: Da misst man eben eine Gruppe von Kindern, und fasst diese Daten zusammen (nehmen wir mal an, es gab keine Messfehler).

Dabei kommen dann diese schöne Kurven heraus, die man dann benutzt, um zu vergleichen, wie schwer oder leicht, gross oder klein, euer Kind im Vergleich mit den für diese Kurven vermessenen Kindern ist. Um das zu erleichtern wird in in der Grafik halt dargestellt, welche Werte ab welchem Wert man über oder unter 3%, 10%, 25%, 50%, 90% oder 97% der ebenfalls gemessenen Kindern war (das sind nicht dieselben Kinder, sondern zu jedem Messzeitpunkt ist die Datennutzung unabhänging von vorherigen Messungen – ja die Zahlen können von völlig anderen Kindern Kindern kommen – es gibt also keine Kontinuität).

Also: wenn 100 Kinder gemessen wurden, dann sind die beiden leichtesten Kinder eben unter 3%, das dritt-leichteste Kind gibt die Werte für die 3% Kurve, und so weiter. Die Werte an sich besagen dabei NICHT, ob die Kinder gesund sind! Nur, eben, wie sie im Vergleich mit den anderen vermessenen Kindern stehen. Aber: irgend jemand MUSS der Kleinste/Größte sein!

Ich weiss nicht sicher, wie die Daten für Kinder in utero, also vor der Geburt erhoben wurden – vermute aber, dass da eben die Zahlen benutzt werden, die der behandelnde Arzt beschlossen hat, in seine Akten aufzunehmen – diese haben dann eben schon von Haus aus ein Vermessungs-Problem eingebaut – die Gewichte sind einfach Schätzungen, und keine wirklichen Gewichtszahlen. Wenn die Zahl der Kinder, auf der die Kurve basiert, sehr gross wäre, würde die Ungenauigkeit dann verloren gehen – also die Zahlen nicht mehr beeinflussen – wenn der Fehler der Schätzung in beide Richtungen – also kleiner oder grösser – gleich häufig und gleich gross ist, im Durchschnitt. Ich nehme an, dass das so ist, da in vergleichenden Studien (von Schätzungsformeln) kein Unterschied gemacht wurde in welche Richtung der Fehler ging – aber das ist eine ANNAHME, ich bin mir da nicht sicher.

Normalerweise steht dann bei den Kurven, auf welchen Daten sie beruht. Da zum Beispiel Japaner eher kleiner sind also Europäer, beruhen solche Kurven dann auch häufig auf Daten einer bestimmten Untergruppe, wie z.B. bei uns in Deutschland beruhen die Perzentilkurven auf Daten die irgendwo in Deutschland erhoben wurden.

Die in meinem „Kinder-Untersuchungsheft“ abgedruckten Kurven – die eben bestimmten, ob mein Sohn „zu klein“ ist oder nicht, stammen aus einer Zusammenfassung anderer Studien, die diese Zahlen erhoben haben (Kromeyer-Hauschild et al, 2001). Ihr könnt dann bei euch nachschauen, ob die Quelle dieselbe ist, um zu wissen, ob die Infos in diesem und nächsten Paragraphen auch auf eur Kurven zutreffen. Wenn man einen oberflächlichen Blick in diese Zusammenfassung wirft, fällt folgendes auf: die Zahlen für 0-3-jährige kamen alle nur von Erhebungen aus einem Ort (Bad Hersfeld in Deutschland), zwischen 1985-1996, da wurden eben Zahlen der U1-U8 gesammelt. Für die U1-U6 (also im ersten Lebensjahr) scheinen die Daten pro Erhebungspunkt (welches die U1-U6-Zeiten waren) im Durchschnitt auf 160 gemessenen Kindern pro Geschlecht und U. U7 hatte etwa 250 gemessene Kinder pro Geschlecht). Für die U8 (also 3 Jahre alt) – nur 85 Jungen und 80 Mädchen! Noch nicht einmal 100 Messpunkte! So wenige Messwerte würde man normalerweise sehr kritisch betrachten, da sie kaum eine Verallgemeinerung zulassen – das ist im Übrigen auch in Kromeyer-Hauschild et al, 2001 so vermerkt – wird aber Eltern – und wohl Ärzten nicht mittgeteilt.

Spätere Messpunkte haben wenigstens 500 Messpunkte – das ist statistisch gesehen immer noch nicht besonders toll. Aber zumindest gab es da häufig wenigstens mehr als einen Ort, der Messwerte mit eingebracht hat in die Perzentilkurven. Warum ist das bemerkenswert? In einem Ort wie Bad Hersfeld, das mit ca 30.000 sehr klein ist, ist die „Biodiversität“, bzw weitere Faktoren, wie meine Kinder normal wachsen (z.B. weil die Gene der Familie es so und so „vorschreiben“, oder weil beide Eltern aus Japan kommen, oder weil einer der Eltern aus Holland kommt und sehr gross ist, usw), u.U. überhaupt nicht die, die zu mir und wo ich wohne passt – das heisst, es gibt mehr Grund, weshalb die Daten die benutzt wurden für mich und meine Kinder völlig unaussagekräftig sind.

Andere Merkmale werden nicht aufgenommen – wie gross sind die Eltern, wie spät sind die Eltern gewachsen, sind die Eltern deutsch oder japanisch und so weiter. Wobei es allerdings ganz klar ist, dass es jede Menge solcher Merkmale gibt, die die zu erwartende normale Entwicklung unserer Kinder beeinflussen. Es gibt sogar Studien die ganz klar in Frage stellen, ob man die herkömmlichen Kurven überhaupt dazu gebrauchen kann, um Aussagen über gesundheitliche Probleme der Kinder zu diagnostizieren, oder zu vermuten (Tinelli et al, 2014).

In Falle meines Sohnes ist es einfach so, dass ich und mein Mann beide keine Riesen sind, und es deshalb Sinn macht, dass auch meine Kinder nicht besonders gross sind und werden. Auch hatte ich die Daten meines Mannes zur Hand – er ist auch langsam gewachsen, dafür aber ist er lange weiter gewachsen, wo die meisten Jungen nur noch wenig gewachsen sind. Und mein Sohn kommt nach ihn – zumindest körperlich :-). Und damit war das Thema dann vom Tisch!

Noch ein weiteres Wort zu den Kurven. Die Quelle Kronmeyer-Hauschild et al 2001 wurde geschrieben, um bei Kindern Obesität abzuschätzen – da das sich immer mehr (weltweit) zu einem Problem entwickelt. Die Empfehlung hier ist, alle 10 Jahre neue Zahlen für die Kurven zu benutzen. Diese Empfehlung sehe ich als bedenklich an. Das genetische Material wird sich nicht so schnell verändern. Aber es ist bekannt, dass unsere Kinder immer dicker werden. Durch das „verjüngen“ der Zahlen der Perzentilkurven werden die Perzentilkurven irgendwann übergewichtige Kinder als „normal“ darstellen! Dann werden Kinder, die normal sind, auf einmal als „zu dünn“ gewertet werden!

Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist nicht für die medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung vorgesehen.

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Quellen:

Kromeyer-Hauschild, Katrin, et al. „Perzentile für den Body-mass-Index für das Kindes-und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben.“ Monatsschrift Kinderheilkunde 149.8 (2001): 807-818.

Tinelli, Andrea, et al. „Ultrasonographic fetal growth charts: an informatic approach by quantitative analysis of the impact of ethnicity on diagnoses based on a preliminary report on Salentinian population.“ BioMed research international 2014 (2014).